Streitbegriffe – Rassismus

Was soll das?

Bestimmte Begriffe tauchen immer wieder in den Diskussionen über die AfD auf. Ich möchte mit einer kleinen Serie auf diese Begriffe aus meiner Sicht eingehen.

Rassismus

Im „Kompaktlexikon der Biologie“ (http://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/rasse/9662) steht: „Rassen sind Populationen einer Art, die sich in ihrem Genbestand (Allelenbestand, Genpool) und damit auch in ihrer Merkmalsausprägung (phänotypisch) von anderen Populationen derselben Art (Spezies) in einem Ausmaß unterscheiden, das eine taxonomische Abtrennung … rechtfertigt.“

Im „Lexikon der Biologie“ (http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/menschenrassen/42123) wird ausgeführt: Der Begriff „‚Rasse‘ [steht] im Deutschen für Menschengruppen, die durch genetische Verschiedenheit definiert [sind]“. Weiter wird da ausgeführt: „Im Streit um diesen Rassenbegriff steht biologisch nicht in Frage, daß es genetisch bedingte Unterschiede zwischen Menschen gibt.“

Da nun der Begriff „Rasse“ sehr unscharf ist, sollte man ihn nur dann verwenden, wenn dessen gemeinte Bedeutung unmissverständlich klar ist. Also am besten gar nicht, zumindest soweit es den Menschen betrifft.

„Rassismus“ ist logischerweise ein Begriff, der auf dem Terminus „Rasse“ aufbaut. Laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus) ist „Rassismus … eine Ideologie, die ‚Rasse‘ in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlichen bestimmenden Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften deutet und Rassen nach Wertigkeit einteilt.“

Entscheidend ist m.E., dass der Rassismus aus der Zugehörigkeit von Menschen zu einer Rasse eine wie immer geartete „Wertigkeit“ ableitet. Eine Wertigkeit setzt nun wiederum Kriterien voraus, die als Bezugsgrößen dienen können. Prinzipiell können das sowohl sachliche als auch ideologische Kriterien sein.

Bewertet man Rassen beispielsweise in Bezug auf ihre Tropentauglichkeit, so sind Neger auf Grund ihrer dunklen Pigmentierung und deutlich höheren Schweißdrüsenanzahl natürlich den Weißen überlegen – also „höherwertig“. (Hier höre ich die Adepten der political correctness schon aufheulen. Deshalb kurze Nachhilfe: „Neger“ kommt von „niger“, lateinisch für schwarz. Ich benutze diesen Begriff auch nur, wenn die Hautfarbe überhaupt eine Rolle spielt, wie in meinen Beispielen. ) Abgesehen von solchen Banalitäten gibt es aber durchaus statistisch signifikante (also nachweisbare) Zusammenhänge von Eigenschaften von Rassen (hier mal vorausgesetzt, dass der im Kontext verwendete Rassebegriff klar definiert ist).

Das ist ebenfalls eine Banalität und kann von sachlich Denkenden nicht bestritten werden, weil er statistisch nachweisbar ist. Selbst die Herstellung einer „Wertigkeit“ gemessen an klar definierten Kriterien entspricht einer wissenschaftlichen Vorgehensweise, wenn eben die zu Grunde gelegten Kriterien selbst wissenschaftlich sind.

Aber hier hält der Rassismus ja nicht an. Aus einer „Wertigkeit“ leiten Rassisten die Begründung für eine Ungleichbehandlung (meistens Benachteiligung) von Menschengruppen ab. Und das bedeutet in der Konsequenz, dass als Begründung für Ungleichbehandlung von Individuen deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Menschgruppe (z.B. Rasse) benutzt wird.

Es ist also kein Rassismus, wenn Kosmetikkonzerne ihre Sonnencremes mit Weißen und Asiaten, aber nicht mit Negern testen. Aber es ist Rassismus, wenn ein Weißer nicht in die in eine Leichtathletikmannschaft aufgenommen wird, weil statistisch gesehen Neger die besseren Läufer sind (wenn man der veröffentlichen Meinung da Glauben schenken möchte).

Der eigentliche Kern des Rassismus ist also die undifferenzierte Bewertung und Behandlung von Individuen allein oder doch im Kern auf Grund ihrer Rassezugehörigkeit. Das ist falsch und deshalb lehne ich Rassismus ab.

Rassismus in der AfD

Es ist m.E. nicht zu leugnen, dass es Überschneidungen in den Ansichten von braunen und rechtsextremen Gruppen und der AfD gibt. Dagegen können wir aber nichts tun. Die Erde kreist um die Sonne, egal wer dies sagt. Aber deshalb muss sich die AfD umso klarer von denjenigen Auffassungen der Rechtsextremen ab­grenzen, die eben nicht der AfD-Linie entsprechen. Der Vorwurf des Rassismus hat meiner Auf­fassung nach seine Wurzeln u.a. in eben dieser Nähe. Sie verleitet dazu, der AfD dann auch jene Ideologien zu unterstellen, die nicht zu den Gemeinsamkeiten gehören.

Der Vorwurf des „Rassismus“ an die AfD lässt sich jedoch argumentativ leicht entschärfen. Mir ist keine einzige Passage aus offiziellen AfD-Dokumenten bekannt, womit sich der Rassismus-Vorwurf begründen ließe.  Auch kenne ich keinen öffentlichen Auftritt von Repräsentanten der AfD, die dies belegen könnten. Selbst unseren besonders angefeindeten und gerne zitierten National­konser­vativen Gauland und Höcke kann man dies nicht nachweisen. Zumindest habe ich keine Aussagen der beiden gehört oder gelesen, die dem Rassismus-Vorwurf eine sachliche Basis geben könnten.

So bleibt „Rassismus“ ein Kampfbegriff der politischen Gegner, dessen Zweck nur eines ist: die moralische Herabsetzung der AfD.

Bernd Reichert, Juni 2016

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