Erste Analyse der Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 aus Sicht der AfD

Erste Analyse der Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 aus Sicht der AfD
Grundlage: vorläufiges Endergebnis vom 25.9.2017

Ich habe ein paar interessante Zahlen zusammengestellt und bewertet, die sich aus Sicht der AfD aus den bisher vorliegenden Ergebnissen der Bundestagswahl 2017 ergeben.

1. Deutschland ist gespalten – AfD-Land im Osten, Gutmenschen im Westen

Es ist wirklich frappierend: mit der Einschränkung, dass Teile Berlins zum Osten zu rechnen sind, liegen unsere Ergebnisse (Zweitstimmen) in allen östlichen Bundesländern vor allen westlichen Bundesländern.

In Sachsen erreichen wir mit 27,02% unser bestes Ergebnis, in Hamburg mit 7,82% unser schlechtestes. Also ein um etwa 3,5-fach besseres Ergebnis. Selbst das aus unserer Sicht „schlechteste“ östliche Bundesland (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht mit 18,59% noch den etwa 1,5-fachen Wert unseres „besten“ westlichen Bundeslandes Bayern (12,39%).
Wie bekannt, sprechen unserer Parteifreunde im Osten eher „national-konservativ“ denn „realpolitisch“; ist das der Schlüssel zum Wahlerfolgt? Wie auch immer, selbst wenn er es wäre – nicht alles darf sich um das goldene Kalb „Wählergunst“ drehen. Ein paar Prinzipien dürfen es denn schon auch noch sein.

2. Erst- und Zweitstimme

Für kleine Parteien ist es typisch, dass die Ergebnisse der Erstimmen meist unter denen der Zweitstimmen liegen, weil die Erststimmen als „verloren“ gelten. Noch bei der NRW-Landtagswahl (Mai 2017) gab es nur einen „Ausreißer“ (Guido Reil), der mehr Erst- als Zweistimmen schaffte. Die Quote lag damit bei 0,7%. Bei der Bundestagswahl aber haben wir schon 5,6%, also 8-Mal so viele „Ausreißer“ hinbekommen. Auch das zeigt, dass wir auf dem Weg zur Volkspartei sind.
Es ist uns nun schon gelungen, mindestens drei Direktmandate zu erringen. Allerdings: alle drei (Hilse, Chrupalla und Petry) im Osten…

3. „Performance“ Direktkandidaten

Ich weiß, einige mögen es nicht, andere finden die Methode fragwürdig. Aber wie schon bei der Landtagswahl in NRW, bringe ich auch jetzt wieder die „Performance“-Werte der 10 besten und der 10 schwächsten Direktkandidaten. Performance-Kennzahl ist dabei das Verhältnis von Wahlergebnis des Direktkandidaten (Erststimme) im Verhältnis zur Zweitstimme. Angenommen wird, dass die Zweitstimme quasi die Messlatte für das Wählerpotenzial der AfD darstellt. Wahlkreise, die keinen Direktkandidaten aufgestellt haben, zählen logischerweise nicht mit.

Die zehn Besten:
174 Fulda
116 Duisburg II
154 Leipzig-Land
158 Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
119 Essen II
164 Erzgebirgskreis I
195 Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Holzland-Kreis – Saale-Orla-Kreis
265 Ludwigsburg
88 Aachen II
16 Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II

Die zehn Schwächsten:
216 Ingolstadt
178 Rheingau-Taunus – Limburg
172 Lahn-Dill
225 Traunstein
223 Bad Tölz-Wolfratshausen – Miesbach
249 Main-Spessart
242 Erlangen
226 Weilheim
96 Bonn
231 Straubing

Auffallend ist, dass die schwächste Performance ausgerechnet in Bayern (7 der 10 schwächsten liegen in Bayern) zu verzeichnen ist. Bei den besten „Performern“ ist das Ergebnis eher durchwachsen. Immerhin, berücksichtigt man die Größe der Bundesländer, dann liegt Sachsen hier auch wieder vorn.
Frau Petry hat hier übrigens Rang 4 erreicht und liegt damit ganz weit vorne. Schade, dass sie nun wohl eher nicht mehr zur AfD gezählt werden kann…
Herr Chrupalla (Görlitz) belegt Rang 2, Herr Hilse (Görlitz) Rang 13. Also ganz so „sinnlos“ ist die Performance-Kennzahl ja wohl dann nicht…

4. Korrelation mit anderen Parteien

Man kann den Zusammenhang, den eine Partei mit einer anderen hat, durch das sogenannte Bestimmtheitsmaß quantifizieren (Quadrat des Korrelationskoeffizienten). Je höher dieser Wert ist, umso eher kann man aus den Werten der einen Partei auf die der anderen schließen. Das kann allerdings auch ein negativer Zusammenhang sein.
Hier die Werte des Zusammenhangs AfD mit denen nun im Bundestag nun vertretenen anderen Parteien:

Union           SPD               Die Linke   Grüne       FDP
0,011676      0,301529      0,24014       0,1543       0,003349

Man kann diese Werte wie folgt interpretieren: unsere direkten Konkurrenten sind SPD und Linke. Je schlechter ihr Ergebnis, desto besser das unsere. Das gilt auch noch abgeschwächt für die Grünen.
Die Ergebnisse der CDU sind da für uns weniger von Interesse, die der FDP gar nicht.

Ich würde die Zahlen wie folgt lesen:
Unser Wählerpotenzial liegt mehr im Lager der Linken und der Grünen, als in dem der CDU oder gar FDP. Das klingt vielleicht überraschend, hat aber seine Logik. Die Klientel von SPD und Linke wird eben zuerst unter den Folgen von Flüchtlingspolitik und Euro-Misswirtschaft leiden. Das haben nun einige schon erkannt. Die besser situierten CDU- oder gar FDP-Anhänger wird es in Südfrankreich und der Schweiz wohl erst zuletzt treffen…

Bernd Reichert, 25.9.2017

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