Der BVB-Attentäter – dumm wie Brot?

Es lässt mir keine Ruhe! Irgendetwas fühlt sich falsch an. Ein Deutsch-Russe soll aus Profitgier versucht haben, die Mannschaft des BVB in die Luft zu sprengen. (siehe auch http://www.it-supply.de/afd/2017/04/17/anschlag-auf-den-bvb-cui-bono/)

Aber ist dies wirklich die Wahrheit? Die (mir) zugänglichen Fakten sind diese:

  1. Der als Attentäter vorgestellte Deutsch-Russe soll über exzellente Kenntnisse in der Kunst des Bombenbaus verfügen.
  2. Um mit dem Tod oder zumindest der Verletzung von Mannschaftsmitgliedern eines Fußballvereines Geld machen zu können, hat er einen Kredit in Höhe von 78.000 € aufgenommen und dieses Geld in 15.000 Put-Optionsscheinen des börsennotierten Vereins angelegt. Der angestrebte Veräußerungsgewinn hätte bei geglücktem Anschlag mutmaßlich 3,9 Mill € betragen.
  3. Er hat ein Hotelzimmer in demselben Hotel bezogen, in dem auch die BVB-Mannschaft Quartier genommen hatte. Mehrfach hatte er darauf bestanden, ein Zimmer im obersten Geschoss des Hotels mit Blick auf die Straße zu bekommen, auf der der Mannschaftsbus fahren würde. Sehr unauffällig…
  4. Die beiden Bomben, die gezündet wurden, waren a) zu spät gezündet worden und b) zu hoch angebracht worden, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Bombenexperte? Das geht wohl besser.

Man kann keine der als effizient eingestuften Bomben bauen, ohne über einen gewissen Mindestintellekt zu verfügen. Und man muss wenigstens wissen, was PUT-Optionsscheine sind und wie man diese erwerben kann.

Und dann hat er sicherlich auch dies gewusst:

  1. Bei Aufnahme eines so hohen Kredites greift das „Geldwäschegesetz“. Der Kreditnehmer gerät damit automatisch ins Monitoringverfahren zur Vermeidung von krimineller Geldwäsche.
  2. Der Kauf von PUT-Optionen in dieser ungewöhnlichen Höhe mit der Realisierung eines so hohen Gewinnes innerhalb eines Tages bringt den Nutznießer der Transaktion unweigerlich und spätestens bei Eintreten des Kurssprunges nach oben in den meldepflichtigen Verdacht des Insiderhandels. Die Meldung war ja sogar OHNE Kurssprung durch den involvierten Börsenmakler erfolgt und hat wesentlich zum Fahndungserfolg beigetragen.
  3. Der Bombenbastler kann zwar Bomben bauen und via Internet Kredite und Börsen­trans­aktionen abwickeln, kommt aber nicht auf die Idee, kabellose WebCams und via Internet (oder Handy) auslösbare Zünder gleich mit den Bomben zu installieren, um von jedem Ort der Welt ganz „relaxed“ und zentimetergenau die Bomben auslösen zu können.
    Stattdessen muss er – natürlich völlig unauffällig – in direkter Nähe des Attentates sein und aus dem Fenster schauen, um den geeigneten Zeitpunkt zur Zündung mit zu bekommen.
  4. Wäre die geplante Börsenspekulation erfolgreich gewesen, wäre die sog. Spekulationssteuer (ca. 25% Steuer) fällig gewesen. Ein solcher Vorgang wird automatisch dem Finanzamt gemeldet.

Also wie blöd muss man eigentlich sein, um diese Risiken einzugehen und diese Fehler zu machen? Genau – so blöd wie Brot. Ist er das? Wohl eher nicht (siehe oben).

Und warum sucht er sich ausgerechnet Deutschland aus, wo der Fahndungsdruck und die zur Verfügung stehenden Instrumente zur Kriminalitätsbekämpfung (hoffentlich) zu den besseren in der Welt zählen. Die Idee ist doch an vielen Orten in der Welt genauso umsetzbar. Brasilien, Argentinien oder doch wenigstens Spanien oder Großbritannien.

Und – fühlt sich das für Sie noch immer „richtig“ an?

Bernd Reichert, 23.4.2017

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