Gesinnungsethik – wem wird da eigentlich geholfen?

Max Weber unterschied schon Anfang des 20. Jahrhunderts Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Dem Gesinnungsethiker geht es nicht um die absehbaren Folgen seines Tuns; er möchte vor allem „gut“ und moralisch überlegen sein oder sich doch wenigstens so fühlen. Der Verantwortungsethiker richtet sein Handeln nach den absehbaren Folgen aus. Diese sollen mit ihren langfristigen Effekten „gut“ sein und im Sinne der Moral ein optimales Ergebnis erzielen.

Aktuell lassen sich die beiden unterschiedlichen Ansätze bestens beobachten. Gesinnungsethiker holen so viele (oft nur vermeintlich) Notleidende wie möglich ins Land. Verantwortungsethiker wollen so vielen Notleidenden wie möglich helfen. Und – ist das nicht dasselbe? Ganz und gar nicht.

„Die Kosten für einen in Inobhutnahme lebenden Flüchtling betragen … rund 195 Euro pro Tag und Flüchtling, für die stationär in den Bezirken untergebrachten minderjährigen Asylbewerber betragen sie rund 100 Euro.“ (Quelle “Berliner Morgenpost”, 12.4.2017)

Zum Vergleich: die Kosten für die Versorgung eines Flüchtlings in einem Lager nahe der Heimat betragen etwa 10 bis 30 € pro Tag. Man kann folglich mit demselben Geld vor Ort bis zu zehn Mal mehr Notleidenden helfen als hier in Deutschland. Eine einfache Rechnung, die aufzumachen Gesinnungsethiker sich konsequent weigern. Was also wollen diese Gutmenschen denn? Effizient helfen offenbar nicht. Offenbar ist nur, dass es ihnen vor allem um das eigene Wohlfühlen geht.

Wir „haben … insgesamt 20 Millionen Menschen, die [in Afrika] vom Hungertod bedroht sind.“ (Quelle: rbb, 31.3.2017). Erstaunlicherweise kümmert dies aber kaum jemanden. Dabei könnte man alle 20 Millionen mit „nur“ 90 Milliarden € ein Jahr lang komplett versorgen. Dies entspricht fast den Gesamtkosten für Wirtschaftsmigranten in Deutschland von ca. 3 Jahren, die uns die vorwiegend jungen, unzureichend ausgebildeten Männer aus den aktuell hofierten Flüchtlingsstaaten kosten.

Aber damit wird’s halt nicht so schön warm um die Magengegend…

Und eine Frage geht mir immer wieder im Kopf herum – bis 2015 war es gute Sitte, Menschen in Lagern nahe ihrer Heimat zu helfen. Seit 2015 aber geht dies nur noch weit weg vorwiegend in Deutschland.

Was genau hat zu diesem Sinneswandel geführt? Keine Ahnung…

Bernd Reichert, 12.4.2017

 

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